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Märchen, Musik und Moulin Rouge

Ein Artikel der Oberbergischen Volkszeitung vom 2.1.2016

Feste Größe der Gummersbacher Kultur: Furioser Silvester-Cocktail der Räuber

Von KATJA POHL

Fächertanz aus Aladin und die Wunderlampe Den Fächertanz aus Aladin und die Wunderlampe präsentierten die Tänzerinnen des Ballettstudios Arabesque. (Fotos: Hoene)

GUMMERSBACH. Ein lautes "Ahh!" ging durch die Reihen des Theaters, als sich der Vorhang zum 41. Silvester-Cocktail des Quartettvereins "Die Räuber" hob. Es glitzerte und schimmerte, ein Hauch von Varieté durchwehte das restlos ausverkaufte Theater. Denn - wer hätte das gedacht - dank der Fantasie der Räuber und des bewährten Bühnengestalters Bernhard Kyborg wurde die alte Vogtei im Herzen der Kreisstadt einer neuen Funktion zugeführt. Sie beherbergte für diesen besonderen Abend das legendäre Varieté-Theater Moulin Rouge, dessen glamouröse Flügel sich langsam drehten und immer wieder Lichtblitze in den Zuschauerraum sandten. Paris in Gummersbach also: Eine wunderbare Idee zum Jahresausklang, den die Räuber mit ihrem exzellenten Programm perfekt gestalteten.

Nachdem sie freilich im ersten Lied durchaus kritisch die Veränderungen in der Lindenstadt aufs Korn genommen hatten. Zwar sei es eine Stadt mit einem Herzen für Kultur. Aber manches habe sich wohl zum Nachteil verändert. Von einem Einkaufszentrum in Not wurde da gesungen, von einer Innenstadt, die leer wirkt und von einem Bahnhof, der die Menschen hoffentlich nicht nach Köln zum Shoppen entführt, sondern lieber in die Lindenstadt hinein bringt.

Eine Kritik, auf die Bürgermeister Frank Helmenstein in seiner Ansprache prompt reagierte. Das neu eröffnete Forum sehe er als eine Bereicherung der Innenstadt, erklärte er nachdrücklich. Und versprach, sich auch für den Fortbestand des Theaters stark zu machen. "Eine Stadt ohne Theater kann ich mir nicht vorstellen", so Helmenstein. Allerdings mahnte er auch, dass die Zukunft des Theaters nicht nur von der Politik, sondern auch von den Bürgern abhinge. "Die Menschen müssen den Wert einer solchen Kulturstätte zu schätzen wissen und sie nutzen."

Den Wert des traditionsreichen Silvester-Cocktails des von Gus Anton geleiteten und von Sigrid Althoff am Klavier begleiteten Chors wissen die Theaterbesucher zu schätzen. Daran bestand am Silvesterabend so gar kein Zweifel.

Enthusiastisch beklatschten sie die Sangeskünste der Räuber, die sich in immer neuen Kostümen zeigten und unter anderem Sopranistin Christiane Linke bei der Arie "Habanera" aus der Bizet-Oper "Carmen" begleiteten. Moderator Stefan Lex - der auch als Tenor brillierte und mit dem Salonensemble Pomp-A-Dur dank eines sinnlichen "Besame Mucho" die Herzen des weiblichen Publikums zum Schmelzen brachte - versäumte es nicht, die Zuschauer auf Linkes Babybauch hinzuweisen. Und zu hoffen, dass das Baby vielleicht ein Gummersbacher Neujahrskind werden könnte. Die bestens gelaunte Sängerin, deren klarer Sopran beeindruckte, nahm diese kleinen Nickeligkeiten mit so viel Humor, dass sie auch das Publikum damit ansteckte.

Doch die Besucher zeigten sich nicht nur begeistert von tollen Melodien, perfekt dargeboten, sondern auch von den Zauberkunststücken des Gummersbacher Magiers Frank Baroth und ließen sich gerne von den Tänzerinnen des Ballettstudios "Arabesque" in Aladins zauberhafte Welt der Wunderlampe mitnehmen. Hatte Zauberer Baroth mit zersägten Armen gerade noch für wohligen Grusel gesorgt, entführten die Tänzerinnen mit ihrem virtuosen, wunderschön anzusehenden Fächertanz mitten in ein buntes Märchen. Ein moderner Solotanz von Julia Marie Wolobuew, Tochter der Leiterin des Ballettstudios Olga Wolobuew, war so bestechend schön, dass es im Publikum minutenlang mäuschenstill wurde.

Still war es beim großen Finale nach drei Stunden Gala wahrlich nicht mehr. Die Akteure durften sich über viel Applaus freuen, bevor sie ihre zahlreichen Gäste in das neue Jahr verabschiedeten.

Acr16082734497792-25666 Beim großen Finale sangen Stefan Lex und die hochschwangere Christiane Linke ein Medley italienischer Melodien.

Acr16082734497792603Seinen Arm „zersägte“ der Magier Frank Baroth auf der Bu?hne.

Acr16082734497792-1211 Mit ihrem Solotanz als Pfau begeisterte Julia Marie Wolobuew das Publikum im Theater.