Drucken

Im Wald, da sind die Putzfrauen los

Silvester-Cocktail der „Räuber“ im Theater der Stadt Gummersbach war wieder ausverkauft

Ein Artikel der OVZ vom 2. Januar 2015

VON BIRGIT KOWALSKI

GUMMERSBACH. Im Wald, da sind die Räuber längst nicht mehr allein. Geballte Frauenpower hat die wilden Kerle gezähmt, und am Ende müssen die Herren selbst im Kittel den Wald putzen. Jedenfalls ist es beim Silvester-Cocktail der „Räuber“ so.
Die 19 Sänger des Quartettvereins „Die Räuber“ haben im von Bernhard Kyborg zum Wald umgestalteten Theater der Stadt Gummersbach charmante Begleitung. Die Zuschauer auf den ausverkauften Rängen genießen die Vorführungen leichtfüßiger Tänzerinnen, einer Sopranistin und der Pianistin Simone Bönschen-Müller.

kolnische 2015-01-02 bilder Auch die Räuber haben offensichtlich Spaß daran. Sie singen vom ersten „Jetzt geht’s los!“ bis zum Finale mit Gefühl und Freude und in wechselnden Kostümen. Sie legen das Räuberjackett jedoch mit Berechnung ab: Frauen mögen gern die „besser’n älter’n Herrn“, singen die Räuber, im Anzug so elegant wie ihr Hauptmann Gus Anton. Als musikalischer Leiter achtet er vom Platz am Klavier im Orchestergraben aus darauf, dass der spritzige Silvester-Cocktail neben amüsanten und ästhetischen Show-Zutaten auch fulminante Musik enthält.
Eine Miktur, die Susanna Risch liegt. Die temperamentvolle Sopranistin kennt den Quartettverein von anderen Auftritten. Mit dieser Vertrautheit spielt sie, wenn sie in atemberaubenden Operettenkleidern „Casanova“ oder „Rote Lippen“ singt. Ihre große Stimme allein füllt den Saal. Überdies kommt Susanna Risch gern von der Bühne, um mit Zuschauern zu flirten, während sie singend durch die Sitzreihen tänzelt.

Einen Tempeltanz führen die „Macarenas“ des TSV Much und des BV09 Drabenderhöhe auf: Die Sportlerinnen setzen die „1000 Hände Buddhas“ akrobatisch in Szene. Mit klassischem Ballett erfreuen die 16 Elevinnen aus Olga Wolobuews Tanzschule Arabesque im Stadttheater. Ob Walzer in Flamencokleidern oder Spitzentanz im Tütü – die graziösen Tänzerinnen machen stets eine gute Figur.
So wie „Herr Rössler und sein Tiffany-Ensemble“: Der Pianist und Sprachwissenschaftler Uwe Rössler moderiert nonchalant die von ihm selbst kunstvoll arrangierten Stücke seines Salon-Quintetts. Zoltan und Rosalind Oppelcz, vielen Zuschauern von Auftritten in Oberberg bekannt, spielen dabei die erste und zweite Geige. Kaum minder schwungvoll, aber dafür viel melancholischer spielt Krisztian Palagyi auf dem Knopfakkordeon. Die Zuschauer lauschen mit angehaltenem Atem seinen kunstvoll getrillerten Interpretationen, unter anderem der „Nachtigall“ von Franz Liszt.

Nach „Echte Fründe“ verabschieden sich die Räuber im Fimale mit Gus Anton und den Gästen im Luftballonregen vom begeistert applaudierenden Theaterpublikum. Einen Seitenhieb gegen die Pläne von SPD-Fraktionschef Thorsten Konzelmann, das Theater zu schließen, erlauben sich die Räuber-Sänger Reinhard Gösselkeheld und Bernd Tokarski in ihrem Auftritt als „Paul & Paula“: „Vielleicht hält Herr Konzelmann nächstes Jahr hier die Silvesterrede. Wär’ mal ’ne Gelegenheit. Der und seine SPD waren ja sonst noch nie im Theater.“

OVZ 2015-01-02