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Räuber-Chor Letzter Silvestercocktail im Gummersbacher Theater

Ein Artikel der OVZ vom 01.01.2018

Von REINER THIES

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Gummersbach - Nach der Pause ist das Herz gebrochen, und mitten in Gummersbach liegt ein großes Trümmerfeld. Der Räuber-Chor und sein Bühnenbildner Bernhard Kyborg lassen keinen Zweifel daran, wie sie über die bevorstehende Schließung des Gummersbacher Theaters denken.

Diese Zeitenwende für das hiesige Kulturleben allgemein, besonders aber für den traditionsreichen Quartettverein musste zwangsläufig das Leitthema des 43. Silvestercocktails der Räuber sein, der zugleich der letzte an dieser Stätte war. Doch wahrscheinlich hat der beliebte Galaabend zur Jahreswende eine Zukunft in kleinerem Rahmen, etwa in der Aula Moltkestraße oder im Wyndham Garden Hotel. Das Publikum reagierte jedenfalls mit lauten Applaus auf die Frage des moderierenden Gastsängers Stefan Lex: „Wollen Sie, dass der Silvestercocktail weitergeht?“

Lex warb bei den Zuhörern um Unterstützung für den Räuberchor für die Zeit nach dem Theaterende. Er würdigte die Rolle des Chorleiters und früheren Theaterintendanten Gus Anton bei einer Kulturarbeit, auf die manche Großstadt neidisch gewesen sei. Mehrfach hatte Lex das Publikum „Theater – Räuber-Hauptquartier“ skandieren gelassen. Über das hinter ihm pulsierende, knallrote Bühnenbild sagte Lex: „Das Theater ist das Herz der Stadt.“ Er appellierte an den Kampfgeist der Theaterfreunde – aber auch an deren Fairness und mahnte versöhnlich: „Der Politik wird die Entscheidung nicht leicht gefallen sein.“

Der emotionale Höhepunkt wurde erreicht, als der Tenor zusammen mit dem Chor frei nach Robert Stolz schmetterten: „Adieu, Theater Gummersbach, adieu, ich vergess’ dich nicht.“ Danach applaudierten die Zuhörer zum ersten Mal im Stehen. Auch auf der Bühne flossen Tränen.

In der Rolle des Trauerredners fühlt sich Lex allerdings weniger wohl. Lieber macht er die Stimmungskanone. In dieser Weise führte der Sänger durch ein geradezu klassisches Silvestercocktailprogramm. Dazu gehörten zartschmelzende Operettenarien und -duette von Lex selbst und der Kölner Sopranistin Christiane Linke. Nicht fehlen durfte Pomp-A-Dur, das Salonensemble der aus Gummersbach stammenden Pianistin Sigrid Althoff, die wieder auch die Lieder der Räuber begleitete. Altbekannte Gäste der Silvestergala waren zudem die Reichshofer Ballettschule „Arabesque“ und der Waldbröler Bauchredner Peter Kerscher mit seiner Puppe Dolly.

Am Anfang, am Ende und im Zentrum standen aber die Liedbeiträge des Räuber-Chors, wie das vielsagende „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten.“ Der Auftritt in Harlekin-Kostümen nach dem Vorbild der Mainzer Hofsänger ist zu Silvester Pflicht. Doch diesmal streiften die Sänger die Seidenanzüge auf offener Bühne ab – als Zeichen des Abschieds von ihrem Hauptquartier. Danach regnete es ein letztes Mal Ballons, das Publikum erhob sich wieder von den Sitzen und applaudierte, bis der Vorhang fiel.