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„Noch einmal unser Lied“

Von Michael Möller

Gummersbach. Die Räuber singen wieder: Jetzt hat also Frühling begonnen

seiten-aus-fullpdf-oberbergischer-kreis- Viel Applaus bekamen die Räuber und die Akteure an der Rampe (v.l.): Dominik Freiberger, Sigrid Althoff, Gus Anton und Dragan Ribic. (Foto: Möller)

GUMMERSBACH. Mit einer musikalischen Europareise hat der Quartettverein „Die Räuber“ das erwartungsfrohe Publikum im Theater begeistert. Diesmal gab es mit Dominik Freiberger vom WDR sogar einen moderierenden Reiseleiter. Er wusste zu jedem Land Launiges und Informatives beizutragen.

Gus Anton eröffnete mit einer warmherzigen Eigenkomposition: „Sei gegrüßt“, von den 26 Freunden in Schwarz-Weiß-Rot als Eisbrecher glaubhaft vorgetragen. Dabei gab es gar kein Eis – das Publikum genoss die Tour „all inclusive“, vom ersten bis zum letzten Ton. Sigrid Althoff am Flügel begleitete die Reisegruppe nicht nur, sondern setzte eigene Akzente, etwa mit ihrem zarten Vorspiel zu „Greensleeves“, das dieses so sehr bekannte Stück ganz neu erscheinen ließ. Gus Anton schreibt Chorsätze, die seinen Mannen Raum zum Glänzen geben. Es ist dieser Genuss an der Variation des Bekannten, der das erfahrene Publikum zu Tränen rühren kann: „Wenn alle Brünnlein fließen“.

„Gus bringt immer wunderbare Gäste mit“, flüsterte eine Besucherin und freute sich auf den jungen Dragan Ribic. Der Akkordeonist aus Bosnien-Herzegowina hat zahlreiche Preise als Solist abgeräumt und studiert an der Musikhochschule Detmold. Mit Sehnsuchtsklängen („Tango pour Claude“) führte er nach Frankreich und zelebrierte sein Luft-Instrument, durch das er zu atmen schien. Dem Publikum blieb in Ungarn dann die Luft weg: Sein „Czardas“ tanzte durch alle denkbaren Tempi und brachte ihm einen heftigen Sonderapplaus ein.

„Sur le pont“, auch dieses Stück frisch aufgebürstet vom Chorleiter: Es walzert, es marschiert, und mit leichter Hand hilft die Pianistin bei den rhythmischen Eskapaden. Die Sänger sind immer präsent, achten auf ihren Dirigenten. Jedes Wort ist zu verstehen. Das wirkt unangestrengt, sogar wenn es um Volumen und Höhe geht. Die Zuhörer genießen es seufzend: „Ach, wie schön!“ So bei „Suliko“, einem russischen Liebeslied: „Sing mir noch einmal unser Lied“, heißt es da und klingt wie ein Motto des Tages.

Dominik Freiberger führte den sehr gut besetzten Saal immer wieder aus der Gefühlstiefe: „Loch Lormond? Das singen wir in Köln als FC-Hymne!“ Und wenn das nicht reicht, holt Dragan Ribic rasch ein paar Tasten-Töne vom Himmel – so sieht es jedenfalls aus. Die Reise endete in Deutschland, wo der „Kuckuck“ bei der „klappernden Mühle“ singt, während die „Bettelleute tanzen“ – und alles klingt wie frisch gestrichen. Am 18. November gibt’s das Herbstkonzert. Auf manches ist Verlass.