Drucken

Regionalbahn mit Endstation Sehnsucht

Vorletzter Silvestercocktail des Gummersbacher Räuberchors bot nostalgischen Glamour

Von REINER THIES

GUMMERSBACH. Im Gummersbacher Theater geht etwas zu Ende. Das war auch an diesem Abend spürbar, obwohl es erst der vorletzte Silvestercocktail des Quartettvereins "Die Räuber" war. Mitte nächsten Jahres fällt der letzte Vorhang des Theaterspielbetriebs. Ob und wie es mit dem traditionellen Jahresabschluss des Räuberchors danach weitergeht, ist ungewiss.

Noch mehr als sonst war es eine von Nostalgie geprägte Veranstaltung. Der Cocktail der Räuber brachte noch einmal ein bisschen Glamour in die Stadt, ganz nach dem vom reifen Publikum geschätzten Muster einer Operettengala. Wie immer mit Spannung erwartet wurde das von Bernhard Kyborg gestaltete Bühnenbild. Mit Hilfe einer Projektionsleinwand zeigte es den neuen Gummersbacher Bahnhof, in den auch prompt ein Regionalzug einfuhr - verspätet und unplanmäßig endend.

ovz 2017-01-02 Mit dem Zug reisten die Räuber diesmal im Theater an. Zu den Gästen ihres Galakonzerts gehörten die Sopranistin Susanna Risch und der Tenor Giovanni da Silva sowie der Musikzug Bergerhof, der ein Seemannsliedermedley beisteuerte. (Fotos: Melzer)

"Voller Schmerz gehe ich durch die Stadt"

Die Räuber-Sänger, die der Bahn entstiegen, blickten sich skeptisch um in ihrer Heimatstadt und sangen bedauernd: "Voller Schmerz gehe ich durch die Stadt, die ihr Angesicht so verändert hat." Alte Postkartenansichten von der längst verschwundenen Lindenstadt leisteten später ein Übriges, um manchem Zuhörer ein Seufzen zu entlocken.

Einen ähnlich sehnsuchtsvollen Rückblick beförderte der Musikzug Bergerhof, als erster Bühnengast des Abends. In einem Medley fügte das junge Ensemble die Titelmelodien bekannter Fernsehsendungen zusammen, von Derrick über Traumschiff bis Tagesschau. Die hessische Sopranistin Susanna Risch legte dann ein erste Solo vor, später sang sie mit dem deutsch-brasilianischen Tenor Giovanni da Silva manch schönes Duett, etwa "Tonight" aus der West-Side-Story. Ebenfalls bereits bei der Silvestergala dabei war das Reichshofer Tanzstudio Arabesque, dessen junge Akteurinnen unter anderem erneut ihren Schwanentanz vorführten. Immer ein Stimmungshöhepunkt sind der Räuber-Tenor Harald Stein im Duo mit seinem Partner Michael Dunkel und ihre lupenrein vorgetragenen Krätzcher. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Kölner Profis Ulrike Froleyks und Angelika Metzler, durchaus flott, wenn auch mit etwas bemühtem Humor.

Dreh- und Angelpunkt war auch diesmal der Räuberchor, am Flügel begleitet von Werner Witolf und geleitet von Gus Anton, der erneut für die musikalische Qualität des Abends garantierte. Er und seine Sänger sind sicher nicht Gummersbachs Zukunftshoffnung, aber noch durchaus vitale Denkmäler einer großen Zeit. Und bei aller Kritik an der Stadtentwicklung sangen sie am Ende doch wieder: "In der Heimat ist es doch am schönsten."

NEUJAHRSANSPRACHE

Geradezu staatstragend ist der Silvestercocktail nicht zuletzt, weil eine Ansprache des Bürgermeisters zum Programm gehört. Frank Helmenstein reagierte souverän auf die Kritik des Chors an der Stadtentwicklung: "Gummersbach bewegt sich in einem Spannungsfeld von Tradition und Moderne, und die Räuber bringen es auf den Punkt." Helmenstein kündigte für 2018 einen ausgeglichenen Haushalt an ("Wir schaffen das.") und skizzierte die Pläne für eine öffentliche Nutzung von Vogtei und Hohenzollernbad. Zudem bekräftigte er seinen Ehrgeiz, auf dem Steinmüllergelände ein neues Theater zu errichten: "Das hat nichts mit Großmannssucht zu tun. Gummersbach darf nicht zur grünen Hölle werden, sondern muss seine großartige Kulturlandschaft behaupten." Im kommenden Jahr möchte er mit einer Publikumsumfrage in Erfahrung bringen, wie das Programm des neuen Hauses aussehen soll. (tie)