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Männerstimmen in Schönheit und Vollendung

Gummersbacher „Quartettverein Die Räuber“ unter der Leitung von Gus Anton bietet in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche Chorgesang vom Feinsten
von Hermann J. Settelmeyer / Foto: Helmut Steickmann

Wer am Montagabend auf dem Weg zur Dreifaltigkeitskirche noch zweifelte, ob ein Chorkonzert an einem Werktag in der Ferienzeit überhaupt angenommen würde, der war schnell angenehm überrascht: Viele Zuhörer erlebten eine Stunde lang Chorgesang vom Feinsten mit den „Räubern“.

„Schuld“ am Zuspruch trug sicher auch der Name des Dirigenten: Gus Anton ließ schon vor 50 Jahren mit zündenden Komposition aufhorchen. Seit 42 Jahren leitet er den „Quartettverein Die Räuber“ aus Gummersbach und präsentierte eine Sangeskunst, die begeisterte.

Dabei hatte das „Quartett“ mit 22 Sängern eher Kammerchorformat, und die „Räuber“ gaben sich im schwarzen Anzug mit Fliege schon äußerlich kultiviert. Dem entsprach das abwechslungsreiche geistliche Programm mit einem hellen Klangbild, das durch weiche Tongebung in allen Lagen ausgeglichene Stimmen, Leichtigkeit, Durchsichtigkeit und lupenreine Intonation bestach.

Eingängig kam zum Auftakt Gus Antons Kleine Mess in G mit Kyrie, Gloria, Sanctus/Benedictus und Agnus Dei daher, jeweils in Komposition und Darbietung dem Textgehalt folgend. Schön gelangen danach Bortnjanskys „Heilig, heilig“ und Händels „Herr, laß uns gnädig bestehen“, bekannter mit dem Text „Dank sei Dir, Herr“.

Hier wie auch in dem innig gestalteten „Laßt uns mit Tränen“ (Händel), dem klar gezeichneten „Panis angelicus“ (César Franck) und dem frommen, mit Schwierigkeiten gespickten „Der Du von dem Himmel bist“ (Franz Liszt) hatte Anton seinem Chor die Sätze auf den Leib geschrieben. So stand der Männerchor der Strahlkraft der gemischten Originale in nichts nach.

Überzeugen konnten darüber hinaus Antons eigene Kompositionen: ein schön deklamierendes „Vater unser“, ein Ruhe ausstrahlendes „Abendgebet“ mit raffinierten Harmoniefolgen und ein „Stilles Gebet“ ohne Text und dadurch besonders meditativ. Mit großer Klangfülle und dynamisch differenziert gefiel Bortnjanskys „Tebe Moem“, von Anton bearbeitet unter dem deuschen Text „O Herr, gib Frieden“.

Sich dynamisch steigernd gelang Werner Kösters „Dir, Herr, singen wir“. Überwältigende Klangfülle entfaltete zum Schluß ein weiteres Gloria Antons, im Text weniger gekürzt als das Gloria der Kleinen Messe, mit modernen Anklängen in der Tonsprache und der stetigen Präsenz des Gloriarufs als Lobpreis durch alle Teile hindurch.

Das begeisterte Publikum dankte mit stürmischem Applaus. Mozarts „Ave verum“ ließ als Zugabe das Konzert ausklingen. Unter der sicheren und gut angepaßten Klavierbegleitung von Gerhard Nußbaum präsentierte es eingängige geistliche Werke mit einem Männerchorklang, wie er in dieser Schönheit und Vollendung selten zu hören ist.

Rheinpfalz Nr. 183 – Kultur regional – vom Mittwoch, den 08.08.2012

IMG 9224 Speyer

Geschrieben von: Hermann J. Settelmeyer / Foto: Helmut Steickmann.