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Aufbruchstimmung auf der Bühne

Kölner StadtanzeigerEin Artikel des "Kölner Stadt-Anzeigers" vom 1. Januar 2008

Von PETER KREMPIN, 01.01.08, 20:09h
Gummersbach - Die rasante Entwicklung der Stadt war das tragende Thema beim 39. Silvester-Cocktail. Die Räuber feierten mit 800 Gästen die Heimatstadt ihres Bürgermeisters.

Gummersbach - Szeneapplaus bereits fürs Bühnenbild, das schafft nur der Quartettverein „Die Räuber“ bei seinem Silvester-Cocktail. 800 Zuschauer bejubelten die Dekorationen aus Hohenzollernbad und der Waldschänke im Hexenbusch. Beides wurde wie immer entworfen von Bernhard Kyborg, aber erstmals von den Räubern und ihrem Freundeskreis in einer Halle auf dem Steinmüllergelände gebaut und bemalt.

Was sich dort auf Gummersbachs großer Industriebrache so alles tut, verkündete Reinhard Gösselkeheld als Zeitungsverkäufer anhand von Zeitungs-Schlagzeilen. Aber auch jene gescheiterte Unterschriftenaktion gegen ein neues Einkaufszentrum dort, die der Räuber-Chor mit „Glück gehabt, Gummersbach“ kommentierte.

Geschüttelt, nicht gerührt brachten die 25 Räuber, ihr musikalischer Leiter Gus Anton und Sigrid Althoff am Piano nach nur fünf Probentagen die 39. Cocktail-Aufführung in ungebrochener Frische auf die Bühnenbretter.

Haben sie selbst an Jahren zugelegt, ihr Programm sprühte vor Aufbruchstimmung, wie sie nur Bürgermeister Frank Helmenstein in seinem Jahresrückblick zu übertreffen vermochte.

Ein „unglaubliches Potenzial“ sehe er in dem Steinmüllergelände, das sich mit dem Fachhochschul-Neubau und nach dem Abriss vieler Hallen rasant zu verändern beginne. Für Mai versprach Gummersbachs Bürgermeister dort die Fertigstellung von „Oberbergs schönstem Kreisverkehr“, was die anwesenden Wiehler ins Mark getroffen haben dürfte.

Musikalische Klassik-Ohrwürmer frisch und mit einer gehörigen Portion Selbstironie vorzutragen, das gelingt dem Dortmunder Tenor Stefan Lex seit Jahren beim Silvester-Cocktail. Die Neuentdeckung der Kölner Sopranistin Christiane Linke bescherte dem Bühnenhaus zusätzliche Beifallsstürme.

Aber das galt auch für die Räuber-Mitglieder Michael Dunkel und Harald Stein, die mit kölschen Liedern brillierten, der jugendlichen Big Band des Blasorchesters Marialinden, den Morsbacher Wolpertingern und dem Musikclown „De Globetrotter“.

Auf Zuruf gelang es allen Akteuren das voll besetzte Haus zum Mitsingen zu animieren. Spätestens, als die weltmeisterliche Leistung von Handballtrainer Heiner Brand musikalisch in dem Höhner-Song „Wenn nicht jetzt, wann dann“ gipfelte, bebten die Wände des altehrwürdigen Theaterhauses.

„Wir könnten den Silvester-Cocktail zur gleichen Zeit am gleichen Tag zweimal verkaufen“, meinte Räuber-Chef Hans-Dieter Teschke. „Aber wir müssen pünktlich um 20 Uhr fertig sein. Danach brechen die ersten Zuschauer auf, weil sie einen Restauranttisch bestellt haben.“

Das galt trotz 20 Minuten Überziehung nicht. Niemand verließ das Bühnenhaus, bevor zum Finale bunte Ballons knallten und Luftschlangen vom Schnürboden rieselten.