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Auf den Flügeln des Gesangs

„Die Räuber“ beeindruckten mit stimmlicher Perfektion

OVZ-Bericht von Montag, 15. November 2010
OBERBERGISCHE KULTUR von Katja Pohl

Auf den Flügeln des Gesangs Lediglich eine „40“ aus Sonnenblumen zeigte an, dass das Konzert „Auf den Flügeln des Gesangs“ des Quartettvereins „Die Räuber“ noch einen anderen Hintergrund als musikalischen Genuss hatte. Seit 40 Jahren leitet Gus Anton den Chor – eine unvorstellbar lange Zeit, wie er anmerkte. Aber, da er kein Freund von großem Aufhebens um seine Person ist, gab es statt einer Ehrung nur diesen dezenten Blumengruß auf der Bühne des Theaters.

Zurückhaltung ist ein Charakterzug des 72-Jährigen. Auch bei diesem Konzert mit vielen ernsten Tönen und hervorragenden Solisten – neben Pianistin Sigrid Althoff unterstützen Sopranistin Claudia Rübben-Laux und Klarinettistin Isabelle Bach die Sänger – sparte sich Anton die großen Gesten. „Ich moderiere auch nicht. Unsere Stücke sind Weltnummern die das Publikum kennt.“ Es sei wie eine funktionierende Ehe, sagt Anton. Der Chor und er halten sich die Treue. Der Vorsitzende der Räuber, Hans-Dieter Teschke, lobt Anton als hochmusikalisch, fleißig und beständig. „Auch nach 40 Jahren brennt er noch“, sagt Teschke.

Gus Anton gibt im Gegenzug zurück, dass die Proben der Räuber, obwohl es Spaß bereite, harte Arbeit sind. „Ich setze den Willen zur Leistung voraus. Nur durch solches Engagement hat ein Chor Bestand.“ Chorgesang bedeutet für ihn, die Stimme zu schulen. Von Verstärkung durch Technik hält er nichts. „Hätten wir bei einem Auftritt einen Stromausfall, würden wir bei Kerzenlicht weitermachen. Wir kommen ohne Mikrofone aus.“ Diese Qualität begeisterte auch die Zuhörer. Nicht aufdringlich laut, aber perfekt akzentuiert, boten die Sänger zum Auftakt Schubert-Lieder. Anschließend füllte Claudia Rübben-Laux den Raum mit ihrer strahlenden Sopranstimme. Die gefühlvolle Interpretation von Robert Schumanns „Widmung“, einer poetischen Liebeserklärung, beeindruckte tief. Munter wurde es mit Carl Maria von Webers „Rondo Allegro aus dem Konzert Nr. 1“, bei dem Bach ihrer Klarinette fröhliche Triller entlockte. Auch das Zusammenspiel von Chor und Solisten bei Stücken von Beethoven und weiteren Schubert-Liedern stellte das hohe musikalische Niveau unter Beweis. Besonderes Lob zollte Hans-Dieter Teschke Pianistin Althoff, die das zweistündige Konzert begleitete. „Sie hat immer ein unglaubliches Pensum zu bewältigen und macht das bravourös.“ Mit anhaltendem Beifall bedankte sich das Publikum schließlich. Und es nimmt bei diesem Erfolg kaum Wunder, das Anton noch eine Weile weitermachen will. „Ich höre auf, bevor man mich auf die Bühne fahren muss. Aber solange es noch geht, bin ich für meine Sänger da.“

Artikel OVZ